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Eisenbahnunglück


Denkmal am Bahnhof Genthin






Eisenbahnkatastrophe 22.12.1939

60 Jahre nach dem schrecklichen Eisenbahnunglück wurde in Genthin auf dem Bahnhofsvorplatz ein Denkmal enthüllt

Der Schnellzug - D10

Es ist Vorweihnachtszeit und die wenigen Züge, die noch fahren, waren völlig überfüllt. In diesen ersten Wochen des zweiten Weltkrieges waren viele Familien zerrissen. Die wehrfähigen Männer waren am so genannten Westwall, in Kasernen oder im überfallenen Polen. Sonder- und Verstärkungszüge fielen aus und der Fahrplan war zusammengestrichen. Die Reisewelle hatte aber zugenommen, denn Urlauber aus Kasernen und Rüstungsbetrieben, aber auch Frauen mit Kindern, die zu ihren Männern reisten, waren zu befördern. Kein Wunder, dass auch der D 10 von Berlin-Potsdamer Bahnhof nach Köln völlig überfüllt war. Pünktlich um 23.15 Uhr fuhr er von Berlin ab, in Potsdam hatte er schon 5 Minuten Verspätung und in Brandenburg waren es sogar schon 12 Minuten. Der Zug war – wie man sagt – „aus dem Plan gefallen“ und außerdem überlastet, denn Gänge und Vorräume der Wagen waren mit Reisenden voll gepfercht.
So rollt er in die diesige Nacht, denn nur schwer waren die Signallichter zu erkennen.

Ihm folgt auf dem Fuße

Der D 180, ebenfalls von Berlin-Potsdamer Bahnhof kommend nach Neunkirchen/Saar. Pünktlich um 23.45 Uhr fuhr er von Berlin ab, hielt in Potsdam, fuhr dann aber ohne Halt bis Magdeburg durch.

Nach späteren Aussagen des Heizers waren die Signale noch zu erkennen, es herrschte ab Potsdam mittlerer Nebel, der ausströmende Schornsteindampf strich am Kessel entlang auf das Fenster zu. Der Lokführer meinte: “Wir werden wohl anderes Wetter bekommen.“

So raste der D 180 mit unverminderter Geschwindigkeit ebenfalls in die diesige Nacht.

Notruf

Der überlastete D 10 nähert sich dem Bahnhof Genthin, fährt schon mit verminderter Geschwindigkeit und passiert das Einfahrsignal. Der Wärter legt das Signal in Haltestellung - rotes Licht. Das Vorsignal steht in Warnstellung – zwei gelbe Lichter.
Da kommt die Warnung von der Blockstelle Belicke, dass der D 180 das Hauptsignal missachtet und in voller Fahrt vorbeigefahren ist. Der D 180 ist unbedingt zu stellen. Denselben Notruf erhielt der Schrankenwärter vom Posten 89 (Belicke–Genthin), doch auch er bringt den Zug nicht zum Halten.
Der D 180 jagt an ihm vorbei.

Verhängnisvolle Reaktion

Der Weichenwärter von Genthin-Ost erkennt den heranrollenden D 10 und in der Ferne das Signal des D 180. Er ergreift blitzschnell die rote Hand-Signallampe, die sich selbständig einschaltet, sobald sie aus der Halterung genommen wird und hält sie dem D 180 aus dem Fenster entgegen.
In diesem Augenblick ist die Lok des D 10 kurz vor dem Stellwerk. Der Heizer erkennt das rote Licht und der Lokführer löst die Schnellbremsung aus. Dann geht alles so schnell, dass der Lokführer des herannahenden D 180 nicht einmal das Schutzhaltsignal bemerkt, welches die Schaffner des D 10 mit ihren Lampen beim Abspringen geben. Bei dem Aufprall schieben sich mehrere Wagen des D 10 und des auffahrenden D 180 übereinander und versperren die Gleise.


Das Bahnhofsgebäude – erbaut 1843 – ist bis heute in seiner ursprünglichen Architektur erhalten geblieben. Die zweigleisige Bahnstrecke Berlin-Potsdam-Magdeburg wurde von 1837 bis 1846 gebaut, von der preußischen Staatsbahn im Jahre 1881 übernommen und ab Oktober 1924 von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Am 1.1.1994 erfolgte die Gründung der Deutschen Bahn AG als Nachfolger der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn. Das wohl schwerste Eisenbahnunglück in der Deutschen Eisenbahngeschichte ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 22. Dezembers 1939 auf dem Bahnhof in Genthin, wo 278 Menschen ihr Leben ließen und 453 Menschen verletzt, zum Teil sogar schwer verletzt, wurden. Ein D-Zug fuhr mit 100 km/h auf einen außer Plan zum Halten gebrachten D-Zug auf. Dieses Unglück ist auf menschliches Versagen zurückzuführen, wie aus dem späteren Gerichtsurteil hervorging.

Das Bahnhofsgebäude – erbaut 1843 – ist bis heute in seiner ursprünglichen Architektur erhalten geblieben. Die zweigleisige Bahnstrecke Berlin-Potsdam-Magdeburg wurde von 1837 bis 1846 gebaut, von der preußischen Staatsbahn im Jahre 1881 übernommen und ab Oktober 1924 von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Am 1.1.1994 erfolgte die Gründung der Deutschen Bahn AG als Nachfolger der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn.

Abbildung: Genthiner Bahnhof -